Radikalreaktionen
 

Freie Radikale und biologische Systeme

eit der Entdeckung, daß freie Radikale als wichtige bio-
chemische Zwischenprodukte des natürlichen Stoffwechsels in lebenden Systemen vorkommen, ist vergleichsweise wenig Zeit vergan-
gen.
 
Als freie Radikale bezeichnet man meist instabile chemische Verbind-
ungen, die ein ungepaartes Elektron in ihrer Außenhülle besitzen
(in der chemischen Schreibweise wird dies mit einem hochgestellten Punkt gekennzeichnet; Bsp: Superoxidradikal = .O2+).
 
Diese Radikale tendieren dazu, sich das fehlende Elektron, das zur Ausbildung einer stabilen Außen-
hülle notwendig ist, wo immer möglich zu holen.
Dies führt dazu, daß andere Verbindungen und damit auch die Strukturen, die aus den betroffenen Verbindungen aufgebaut sind, zerstört werden.
 
Im Verlaufe einer sich rasant entwickelnden Forschungstätigkeit auf dem Gebiet biologisch relevanter Radikale erkannte man sehr schnell, daß diese reaktions-
freudigen Verbindungen in der Lage sind, jegliches organisches Gewebe anzugreifen bzw. zu zerstören.
Insbesondere die hochreaktiven Sauerstoffradikale spielen hierbei eine wichtige Rolle.
 
Mittlerweile werden diese Reaktionen für verschiedenste Erkrankungen v. a. solche mit chronischen Verlaufsformen und sogar für den Alterungsprozeß eines lebenden Organismus verantwort-
lich gemacht.
 
    In der Tat ist es ein Paradoxon der Natur, daß Sauerstoff, so essentiell er auf der einen Seite für das uns bekannte aerobe Leben ist, auf der anderen Seite so ultimativ zur Zerstörung lebender Strukturen beitragen kann.
 
Es zeigte sich aber auch, daß lebende Systeme diesen teilweise verheerenden Wirkungen nicht schutzlos ausgeliefert sind.
 
So entwickelten sich im Laufe der Evolution natürliche Schutz-
systeme, die Radikale auf enzymatische und auch auf nicht-enzymatische Weise, d. h. mit Hilfe von antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen, inaktivieren.
 
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, daß das Ausmaß der Zerstörungen zunimmt, wenn zum einen eine Radikalüberproduktion vorliegt und zum anderen eine geschwächte antioxidative Kapazität der Verteidigungssysteme besteht.
 
Viele verschiedene Faktoren wie z. B. chronische Entzündungen, Umweltbelastungen, Rauchen aber v. a. suboptimale Ernährungsgewohnheiten mit einem Mangel an essentiellen Mikronährstoffen tragen zu einer erhöhten Radikalproduktion und einer im Gegenzug auftretenden Schwächung der Schutzsysteme bei.