Selen
  is in die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts waren nur toxische Effekte des Selens bekannt und untersucht.
Dies änderte sich erst als in den 50er Jahren im Tierversuch Hinweise gefunden wurden, daß dieses Element die schädlichen Wirkungen eines Mangels an
-Tocopherol zumindest teilweise ausgleichen konnte.
Weitere zwanzig Jahre später wurde dann erstmals eine Erkrankung, die durch eine Mangelversorgung mit diesem Element ausgelöst wurde, beschrieben.
Seitdem finden sich mehr und mehr Hinweise darauf, daß Selen vielleicht das wichtigste Spurenelement zur Erreichung einer antioxidativen Wirkung im menschlichen Organismus ist.
 
Selen findet sich sowohl in pflanzlicher als auch tierischer Nahrung. Da Selen für Pflanzen nicht essentiell ist, ist die Konzentration in pflanzlicher Nahrung nur abhängig vom Selengehalt der Böden und unterliegt deshalb sehr starken Schwankungen. In tierischer Nahrung sind die Hauptquellen Leber und Nieren, und v. a. Fisch.
 
Selen ist als Selenocystein, eine aufgrund ihres seltenen Vorkommens und Syntheseweges außergewöhnliche Aminosäure, essentieller Bestandteil der reaktiven Seite der Glutathionperoxidase, dem potentesten Enzym des Körpers zur Zerstörung von Peroxiden.
 
    Seine synergistische Wirkung zusammen mit -Tocopherol im Rahmen der Schutzreaktionen vor oxidativen Schädigungen ist seit längerer Zeit schon bekannt.
 
Zusätzlich zu dieser Rolle ist es auch in DNA-Reparaturmechanismen involviert und wirkt damit Mutationen entgegen. Gleichzeitig schützt es Proteine vor Funktionsverlust indem es die Oxidation der Protein-Schwefelbindungen verhindert.
So zeigten neuere Studien, daß die Zufuhr von Selen den Abbau von Kollagen in entzündetem Gewebe zu mindern vermag. Diese Wirkung kann durch die gleichzeitige Gabe von -Tocopherol noch deutlich erhöht werden; ein weiteres Beispiel für eine synergistische Wechselwirkung im Rahmen der antioxidativen Schutzsysteme der Zellen und Hinweis auf den Nutzen einer gleichzeitigen Supplementation mit diesen Mikronährstoffen.
 
Neben dem oben beschriebenen antioxidativen Potential besitzt Selen zusätzlich eine weitere wichtige Funktion im Organismus im Rahmen der Detoxifizierung von Schwermetallen.
So ist es in der Lage Quecksilber durch Bildung eines stabilen Komplexes zu binden und dessen schädigende Wirkungen auf den Organismus zu neutralisieren.
Auch hierbei zeigt sich die lange Zeit unterschätzte essentielle Funktion des Elementes im menschlichen Organismus.