Thiamin
  hiamin wurde als erste Substanz des Vitamin B-Komplexes 1926 aus Reisschalen isoliert und 1936 in seiner Struktur aufgeklärt und synthetisiert.
 
Es findet sich in der Natur in tierischen Organismen, Pflanzen und Mikroorganismen als freies Thiamin sowie in den phosphory-
lierten Formen.
 
In tierischen Geweben ist vor allen Dingen die Co-enzym-gebundene, phosphorylierte Form anzutreffen, in den ruhenden Teilen der höheren Pflanzen dagegen das freie Thiamin.
 
Viele Mikroorganismen sowie höhere Pflanzen synthetisieren das Molekül de novo.
Tierische Organismen können jedoch nur die Phosphorylierungs-
reaktion am fertigen Thiaminmolekül durchführen.
Damit gehört diese Verbindung zu den essentiellen Mikronährstoffen.
 
Die biologisch wirksame Form ist das Thiamindiphosphat (TDP).
Das TDP ist die prosthetische Gruppe dreier wichtiger Enzyme: der Pyruvat-Dehydrogenase, der -Ketoglutarat-Dehydrogenase und der Transketolase.
 
Das gemeinsame Zeichen aller Enzyme die TDP verwenden, ist der Transfer von aktivierten Aldehyd-
einheiten, eine zentrale Reaktion
    Thiamin
 
im Kohlenhydratstoffwechsel, der in Verbindung mit der Atmungskette die Versorgung des Organismus mit energiereichen Verbindungen (ATP) sicherstellt.
 
Neben seiner Rolle im katabolen Stoffwechsel besitzt Thiamin aber auch eine bedeutende Funktion im Rahmen zellulärer Reparatursysteme über die Beteiligung bei der Synthese von Proteinen und Nukleinsäuren sowie im anti-
oxidativen Defensivsystem.
Durch die Bereitstellung von aktiviertem Acetaldehyd, einem Grundbaustein der Zellmembran, ist es ein integraler Bestandteil zellulärer Abwehrmechanismen gegen freie Radikale und wirkt der Lipidperoxidation und damit der Zerstörung der Zellmembran entgegen.
 
Interessanterweise zeigte sich auch, daß Thiamin über seine Sulfhydrylgruppe Quecksilber in einem ähnlichen Ausmaß wie Selen zu binden und via eines stabilen Komplexes dessen toxischen Eigenschaften zu neutralisieren vermag.